Das einzige und einzigartige
Fotogehäuse im Sartorial-Stil

Sigma BF: Die Schönheit einer Kamera, die nicht alles können will

Sigma Deutschland stellte mir die Sigma BF freundlicherweise einen Monat lang zur Verfügung. In dieser Zeit begleitete sie mich nach Paris, Wien und München sowie an die französische Atlantikküste. Streetfotografie, Nachtaufnahmen, Architektur, Reisen und sogar Produktfotografie bei Dauerlicht: Ich habe die Kamera in den unterschiedlichsten Situationen eingesetzt. Dennoch entzieht sich die BF weitgehend einem klassischen Kameratest. Wer sie verstehen will, muss zunächst ihre Philosophie akzeptieren: die einer bewusst anders gedachten Kamera, die Einfachheit, Freude und die Schönheit des Objekts über eine möglichst lange Funktionsliste stellt.

Dies ist kein Test wie jeder andere

Um es gleich vorwegzunehmen: Dieser Artikel ist kein gewöhnlicher Kameratest.

Nicht, weil die Sigma BF über jede Kritik erhaben wäre, sondern weil man an ihrem eigentlichen Wesen vorbeigehen würde, wenn man sie lediglich anhand einer Liste von Ausstattungsmerkmalen bewertete. Die BF wurde nicht entwickelt, um den Wettbewerb um die meisten Tasten, die zahlreichsten konfigurierbaren Modi oder die umfassendsten elektronischen Assistenzfunktionen zu gewinnen. Sie will nicht die eine Kamera sein, die für jeden Fotografen, jede Situation und jede nur denkbare Einstellung geeignet ist.

Wer vor allem ein Kameragehäuse sucht, das wirklich alles kann – mit elektronischem Sucher, schwenkbarem Display, integrierter Bildstabilisierung, mehreren frei belegbaren Einstellrädern und einer Vielzahl von Direktzugriffen –, dürfte mit einer Sony Alpha oder einer ähnlich vielseitigen spiegellosen Systemkamera besser beraten sein.

Die Sigma BF verfolgt ein anderes Ziel.

Hier dominiert beinahe eine sartoriale, vom Maßschneiderhandwerk geprägte Haltung: die Sorgfalt, die dem Material, den Proportionen, der Haptik und jeder einzelnen Bewegung gewidmet wird. Die BF versucht, die Schönheit eines Objekts mit echter Bildqualität zu verbinden, ohne die Komplexität eines digitalen Kameragehäuses, das sich über die Generationen hinweg zu einer Art elektronischem Schweizer Taschenmesser entwickelt hat.

Einen Maßanzug wählt man schließlich nicht deshalb, weil er mehr Taschen besitzt als eine Funktionsjacke. Man entscheidet sich für ihn wegen seines Schnitts, seines Materials, der Art, wie er fällt, und wegen des Vergnügens, ihn zu tragen. Die Sigma BF folgt derselben Logik.

Sie richtet sich an ambitionierte Amateure oder professionelle Fotografen, die ihre Umgebung festhalten und dabei zugleich Freude an einem schönen Objekt haben möchten. An Menschen, die die Fotografie lieben, aber keinerlei Bedürfnis verspüren, mit einem Smartphone zu fotografieren. Und an diejenigen, für die das fotografische Erlebnis bereits beginnt, bevor sie überhaupt den Auslöser drücken.

Eine Kamera, die niemanden kaltlässt

Noch nie zuvor bin ich mit einer Kamera so häufig auf der Straße angesprochen worden.

In Paris, Wien und München wiederholten sich immer wieder dieselben Fragen:

— „Wow, ist das die BF? Ist sie gut?“

Oder von Passanten, die sich offenbar nicht besonders für Fototechnik interessierten:

— „Die sieht großartig aus. Was ist das? Eine Kamera?“

Die Reaktionen kamen sowohl von Fotografen, die das Modell bereits kannten, als auch von Menschen, die schlicht von diesem metallischen Objekt mit seinen ungewöhnlichen Linien fasziniert waren. Die BF zieht die Blicke auf sich, ohne eine historische Kamera imitieren zu wollen und ohne sich zugleich der mitunter aggressiven Formensprache moderner Profiausrüstung zu unterwerfen.

Selbst meine Frau, die sich weder für meine Fotografie noch für Technik interessiert, konnte sich der Wirkung der BF nicht entziehen. Mehrfach erklärte sie, wie schön sie das Gehäuse finde, bevor sie schließlich selbst damit fotografieren wollte. Wer sie kennt, wird verstehen, wie viel diese kleine Anekdote aussagt: Die Sigma BF lässt tatsächlich kaum jemanden unberührt.

Transparenzhinweis

Das für diesen Artikel verwendete Kameragehäuse wurde mir von Sigma Deutschland freundlicherweise für einen Zeitraum von einem Monat zur Verfügung gestellt.

Sigma hat mich weder bezahlt noch mir redaktionelle Vorgaben gemacht oder irgendeinen Einfluss auf meine Arbeit ausgeübt.

Ein Monat im Einsatz quer durch Europa

Während dieses Monats begleitete mich die BF an die unterschiedlichsten Orte in Europa.

Ich nutzte sie auf den Straßen von Paris, Wien und München, aber auch an der französischen Atlantikküste. Mit ihr fotografierte ich Alltagsszenen, Menschen, urbane Landschaften, Architektur, Innenräume, nächtliche Stimmungen und all die Details, die mir unterwegs zufällig begegneten.

Darüber hinaus setzte ich sie unter kontrollierteren Bedingungen für Produktfotografie bei Dauerlicht ein. Es ging mir also nicht nur darum herauszufinden, ob die BF eine angenehme Kamera für Spaziergänge ist, sondern auch darum, wie weit sich dieses minimalistische Konzept tatsächlich treiben lässt.

Dieser Monat hat mir nicht gezeigt, dass die BF alle anderen Kameras ersetzen könnte. Vielmehr hat er bestätigt, dass sie dies nie beabsichtigt hat.

Ein Block Aluminium statt eines gewöhnlichen Kameragehäuses

Die Sigma BF basiert auf einem echten Unibody-Gehäuse, das aus einem massiven Aluminiumblock gefräst wird. Nach Angaben von Sigma dauert allein die Bearbeitung jedes einzelnen Chassis rund sieben Stunden. Das Ergebnis ist eine Kamera ohne sichtbare Fugen, erhältlich in Schwarz oder Silber, die sich in der Hand eher wie ein Präzisionsobjekt als wie ein gewöhnliches elektronisches Produkt anfühlt.

Im Inneren arbeitet ein rückwärtig belichteter CMOS-Vollformatsensor mit 24,6 Megapixeln, kombiniert mit dem L-Mount. Das Gehäuse misst ungefähr 130,1 × 72,8 × 36,8 Millimeter und wiegt mit Akku 446 Gramm – beziehungsweise 388 Gramm ohne Akku.

Die BF hat also durchaus ihr Gewicht. Genauer gesagt wirkt sie beim ersten Anheben überraschend massiv und dicht. Entgegen mancher Kritik, die ich dazu gelesen habe, hat mich das jedoch nie wirklich gestört. Natürlich bin ich es gewohnt, mit Mittelformatkameras und entsprechenden Objektiven unterwegs zu sein, was meine Wahrnehmung vermutlich relativiert. Dennoch trägt gerade diese Dichte für mich zum Nutzungserlebnis bei.

Das Gewicht bleibt überschaubar, während das Gefühl von Solidität ausgesprochen präsent ist. Die BF wirkt weder hohl noch zerbrechlich. Zusammen mit den passenden Objektiven entsteht ein System von bemerkenswerter ästhetischer und haptischer Geschlossenheit.

Drei Festbrennweiten der I-Series im selben Geist

Die Leihstellung von Sigma Deutschland beschränkte sich nicht auf das Kameragehäuse. Ich konnte außerdem drei Festbrennweiten der I-Series für den L-Mount verwenden: das 24 mm F2, das 35 mm F2 und das 45 mm F2.8. Drei Objektive, die die Philosophie der BF perfekt fortführen.

Alle drei zeichnen sich durch eine ausgesprochen sorgfältige Metallkonstruktion, kompakte Abmessungen und ein angesichts ihrer Fertigungsqualität vernünftiges Gewicht aus. Sie sind wunderschön, aber keineswegs nur das. Ihre Verarbeitung schafft sofort Vertrauen, und ihre Bedienelemente bieten ein echtes haptisches Vergnügen. Die Blendenringe arbeiten präzise und satt, ohne schwergängig zu sein. Ihre Rastungen sind deutlich genug, um die Blende zu verändern, ohne den Blick vom Motiv nehmen zu müssen.

Zusammen bilden sie beinahe eine kleine fotografische Garderobe: drei Brennweiten mit unterschiedlichen Charakteren, verbunden durch dieselbe Verarbeitungsqualität und eine gemeinsame ästhetische Sprache. Ein Objektivwechsel lässt die Balance des Kameragehäuses nie verloren gehen. Jede dieser Optiken wirkt, als sei sie eigens für die BF gezeichnet worden.

Im praktischen Einsatz arbeiteten alle drei Objektive schnell und nahezu geräuschlos. Ihr Autofokus harmoniert hervorragend mit dem der BF, und beim Wechsel zwischen den verschiedenen Brennweiten bemerkte ich keine nennenswerten Unterschiede bei der Geschwindigkeit. Sowohl bei der Streetfotografie als auch bei Produktaufnahmen unter Dauerlicht blieb die Fokussierung diskret genug, um nie vom eigentlichen Motiv abzulenken.

Das 24 mm F2: für einen weiteren Blick

Das Sigma 24 mm F2 DG | Contemporary ist naturgemäß das weitwinkligste der drei Objektive. Es erwies sich als besonders geeignet für Architektur, Innenräume, urbane Landschaften und all jene Situationen, in denen ich einen größeren Teil der Umgebung in das Bild einbeziehen wollte. Die maximale Blendenöffnung von F2 macht es zudem interessant, sobald das vorhandene Licht schwächer wird.

Seine optische Konstruktion besteht aus 13 Elementen in elf Gruppen. Die Blende verfügt über neun Lamellen. In der L-Mount-Version misst es 70 × 72 Millimeter, wiegt 365 Gramm und besitzt ein Filtergewinde mit 62 Millimetern Durchmesser. Die Naheinstellgrenze liegt bei 24,5 Zentimetern, der größte Abbildungsmaßstab beträgt 1:6,7.

Trotz seines weiten Bildwinkels bleibt das Objektiv an der BF sehr ausgewogen. Es ist das größte der drei, ohne die Kombination jemals in ein sperriges System zu verwandeln. Ich griff besonders dann spontan zum 24 mm, wenn ich eine Atmosphäre wiedergeben, ein Motiv in seiner Umgebung zeigen oder in den engen Straßen der europäischen Städte fotografieren wollte, die ich während des Testzeitraums besuchte.

Das 35 mm F2: die Brennweite für jeden Tag

Das Sigma 35 mm F2 DG | Contemporary ist vermutlich das vielseitigste Objektiv des Trios. Die Brennweite bewahrt genügend Kontext rund um das Motiv, ohne den Bildern die mitunter dramatischere Wirkung eines stärkeren Weitwinkels aufzuzwingen. Für Streetfotografie, alltägliche Reportagen oder Reiseszenen ist es wahrscheinlich die naheliegendste Kombination mit der BF.

Die optische Konstruktion umfasst zehn Elemente in neun Gruppen. Hinzu kommt eine kreisförmige Blende mit neun Lamellen. In der L-Mount-Version misst das Objektiv 70 × 65,4 Millimeter und wiegt 325 Gramm. Die Naheinstellgrenze beträgt 27 Zentimeter, der größte Abbildungsmaßstab liegt bei 1:5,7 und das Filtergewinde hat einen Durchmesser von 58 Millimetern.

Die Brennweite ist weit genug, um eine Szene fotografieren zu können, ohne ständig zurückweichen zu müssen, bleibt zugleich aber neutral genug, um dem Bild keinen allzu ausgeprägten Stil aufzuzwingen. Damit entspricht sie perfekt dem Wesen der BF: beobachten, komponieren und fotografieren, ohne aus jeder Aufnahme eine technische Demonstration zu machen.

Das 45 mm F2.8: das kompakteste und vielleicht charmanteste

Das Sigma 45 mm F2.8 DG | Contemporary ist das kleinste und leichteste Objektiv des Trios. Mit einem Gewicht von lediglich 220 Gramm und einer Länge von nur 46,2 Millimetern in der L-Mount-Version bildet es zusammen mit der BF eine ausgesprochen kompakte Einheit. Seine Brennweite ist etwas weitwinkliger als ein klassisches 50-mm-Objektiv und vermittelt dadurch eine natürliche Perspektive, während zugleich etwas mehr von der Umgebung im Bild erhalten bleibt.

Die optische Konstruktion besteht aus acht Elementen in sieben Gruppen. Die kreisförmige Blende besitzt sieben Lamellen. Die Naheinstellgrenze beträgt 24 Zentimeter, und der größte Abbildungsmaßstab von 1:4 ist besonders bei Details oder kleineren Gegenständen von Vorteil. Der Objektivdurchmesser liegt bei 64 Millimetern, das Filtergewinde misst 55 Millimeter. Sigma hat besonderes Augenmerk auf die Bildwirkung bei offener Blende gelegt: Die Unschärfe fällt weich und progressiv aus, während die Abbildungsleistung beim Abblenden zunehmend prägnant wird.

Dank seiner Naheinstellgrenze und seines Bildwinkels lässt sich mit dem 45 mm sehr angenehm arbeiten, ohne die stärkeren perspektivischen Verzeichnungen einer kürzeren Brennweite in Kauf nehmen zu müssen. Zugleich ist es das Objektiv, das man an der Kamera am schnellsten vergisst – so kompakt fällt die Kombination aus.

Eine brillante Idee: der magnetische Objektivdeckel

Alle drei Objektive werden neben einem herkömmlichen Kunststoffdeckel mit einem magnetischen Objektivdeckel aus Metall geliefert. Die Idee ist so simpel wie genial: Der Deckel findet praktisch von selbst seine Position an der Vorderseite des Objektivs, ohne dass zwei Grifflaschen zusammengedrückt oder Deckel und Gewinde sorgfältig ausgerichtet werden müssten. Sigma selbst bezeichnet ihn als letzten Schliff der I-Series.

In der Praxis trägt dieser Deckel erheblich zum Vergnügen bei der Benutzung bei. Die Bewegung ist präzise, die Berührung des Metalls angenehm, und das leise Klacken beim Einrasten verstärkt den Eindruck, ein außergewöhnlich sorgfältig gestaltetes Objekt zu verwenden.

Eine kleine Einschränkung gibt es allerdings: Ist die Gegenlichtblende montiert, lässt sich der Deckel weniger leicht greifen. Der Platz für die Finger ist begrenzt, sodass man beim Abnehmen manchmal etwas mehr Geduld benötigt, als man sich wünschen würde. Das ist keineswegs ein gravierendes Problem, nimmt der ansonsten so eleganten Lösung aber ein wenig von ihrer unmittelbaren Leichtigkeit.

Dennoch fasst gerade dieses Detail die Philosophie des gesamten Systems sehr treffend zusammen. Der magnetische Deckel verbessert weder die Auflösung der Bilder noch die Leistung des Autofokus. Er macht das Objekt schlicht angenehmer im Besitz und in der Benutzung. Genau hier zeigt sich erneut der sartoriale Anspruch der BF: die Aufmerksamkeit für jene kleinen Elemente, die nicht zwingend notwendig sind, das einzigartige Gesamtkonzept aber vollenden.

Kameragehäuse und Objektive wirken deshalb nicht nur wie ein in sich schlüssiges fotografisches System. Sie bilden eine Einheit, deren Gestaltung bis in die Art hineinreicht, wie man sie betrachtet, berührt und handhabt.

Drei Tasten, ein Einstellrad – und fast nichts darüber hinaus

Die Rückseite der Kamera überrascht durch ihre radikale Reduktion.

Neben dem Touchscreen befinden sich ein kleines Statusdisplay, ein kreisförmiges Einstellrad, das zugleich als Richtungspad dient, eine zentrale Taste, eine Optionstaste und eine Wiedergabetaste. Der Auslöser sitzt auf der Oberseite, während sich die Einschalttaste auf der Rückseite befindet.

Die wichtigsten Bedienelemente basieren auf einer druckempfindlichen haptischen Technologie. Sie besitzen nicht den mechanischen Tastenhub klassischer Schalter, vermitteln beim Drücken aber dennoch eine deutliche taktile Rückmeldung. Sigma hat die Benutzeroberfläche damit auf drei zentrale Tasten und ein Richtungseinstellrad reduziert, ohne dass die Bedienung dadurch unpräzise oder zögerlich wirken würde.

In der Praxis empfand ich ihre Positionierung als ausgesprochen gelungen. Weder kam es zu unbeabsichtigten Eingaben, noch verweigerte eine Taste ihren Dienst. Die Bedienelemente lagen stets natürlich unter den Fingern, und die haptische Rückmeldung blieb über den gesamten Testmonat hinweg konstant.

Das kleine Statusdisplay gehört für mich zu den besten Ideen der BF. Es zeigt den Parameter an, der gerade über das Einstellrad verändert wird. Dadurch kann der Hauptbildschirm so frei wie möglich bleiben. Statt das Motiv mit einer Vielzahl von Symbolen zu überlagern, trennt Sigma die Bildkomposition von den technischen Informationen.

Ein Menü, das sich auf fünf wesentliche Parameter konzentriert

Die BF besitzt kein klassisches PASM-Moduswahlrad. Stattdessen bietet Sigma einen direkten Zugriff auf fünf Parameter, die als wesentlich betrachtet werden: Verschlusszeit, Blende, ISO-Empfindlichkeit, Belichtungskorrektur und Farbmodus.

Das Prinzip ist ausgesprochen einfach. Verschlusszeit, Blende und ISO lassen sich jeweils unabhängig voneinander auf automatische oder manuelle Steuerung einstellen. Aus ihrer Kombination ergeben sich ganz selbstverständlich die klassischen Belichtungsmodi: Programmautomatik, Zeitautomatik, Blendenautomatik oder eine vollständig manuelle Belichtung. Es ist daher nicht notwendig, im Voraus einen bestimmten Aufnahmemodus auszuwählen. Man teilt der Kamera lediglich mit, welche Parameter man selbst kontrollieren möchte und welche man ihr überlässt.

Das Hauptmenü fasst alle Einstellungen zusammen, die direkt mit der Aufnahme verbunden sind: Bildfolge, Dateiformat, Seitenverhältnis und Bildausschnitt, Autofokusmodus, Weißabgleich, Belichtung und Farbwiedergabe. Im Videobetrieb kommen unter anderem Auflösung, Bildrate und elektronische Stabilisierung hinzu.

Ein Optionsmenü enthält Einstellungen für das allgemeine Verhalten und die Anzeige der Kamera. Das Systemmenü wiederum versammelt die eher administrativen Funktionen: Verwaltung des internen Speichers, Firmwareinformationen, Copyrightdaten, optische Korrekturen, Datum, Sprache oder die Sicherung von Einstellungen. Die Struktur bleibt kurz und übersichtlich, ohne jene Dutzenden von Registerkarten und Untermenüs, die man bei manchen professionellen Kameras findet.

Diese Einfachheit der Bedienung hat mir insgesamt sehr gut gefallen. Sobald ich meine Einstellungen gewählt hatte, konnte ich die Kamera beinahe vollständig vergessen. In den meisten Situationen nutzte ich das Einstellrad zur direkten Kontrolle meiner Belichtung, während die BF den Rest übernahm. Diese Aufgabenteilung entspricht genau meiner Art zu fotografieren.

Darin liegt der eigentliche Geist dieser Kamera: einfach und schön.

Alles, worauf die BF bewusst verzichtet

Diese Einfachheit bringt zwangsläufig Verzicht mit sich.

Die Sigma BF besitzt keinen elektronischen Sucher. Ihr Display ist weder klapp- noch schwenkbar. Sie verfügt über keinen SD-Kartensteckplatz, keinen mechanischen Verschluss und keine sensorbasierte Bildstabilisierung für Fotoaufnahmen. Die integrierte elektronische Stabilisierung steht nur im Videobetrieb zur Verfügung. Beim Fotografieren muss man sich auf die eigene Technik, eine ausreichend kurze Verschlusszeit oder die optische Stabilisierung eines kompatiblen Objektivs verlassen.

Dabei handelt es sich nicht um versteckte Auslassungen im Kleingedruckten eines Datenblatts. Es sind grundlegende konzeptionelle Entscheidungen.

Man sollte sie daher akzeptieren, bevor man überhaupt über einen Kauf nachdenkt. Wer auf einen Sucher, mehrere Speichermedien, eine sofortige Dateiredundanz oder eine integrierte Bildstabilisierung angewiesen ist, sollte nicht erwarten, die BF in etwas verwandeln zu können, das sie nicht sein will.

Ich persönlich würde sie nicht als primäre Kamera für all meine professionellen Aufträge betrachten. Für Einsätze, bei denen man sich keinerlei Unsicherheit erlauben kann, fehlen ihr einige Elemente in puncto Sicherheit und Vielseitigkeit. Als ergänzende Kamera, als tägliche Begleiterin oder als Werkzeug, um zu einer spontaneren Form der Fotografie zurückzufinden, wird ihr Konzept hingegen deutlich überzeugender.

230 GB Speicher, aber keine SD-Karte

Anstelle eines Speicherkartenfachs besitzt die BF rund 230 GB internen Speicher. Nach Angaben von Sigma reicht diese Kapazität für mehr als 14.000 JPEG-Dateien, ungefähr 4.300 verlustfrei komprimierte RAW-Aufnahmen oder rund zweieinhalb Stunden Video in der höchsten Qualitätsstufe. Der USB-C-Anschluss dient zum Laden, zur Dateiübertragung und zur Datensicherung auf einem externen USB-Speichermedium.

Diese Entscheidung erfordert eine kleine Umstellung der eigenen Gewohnheiten. Am Ende des Tages nimmt man keine Speicherkarte mehr aus der Kamera. Stattdessen verbindet man die BF direkt mit einem Computer oder einem externen Datenträger. Im Gegenzug musste ich mich nie fragen, welche Karte gerade eingelegt war, ob sie schnell genug arbeitete oder noch genügend Speicherplatz für die nächste Aufnahme bot.

Im praktischen Einsatz erwiesen sich sowohl der Startvorgang als auch das Aufwachen aus dem Standby als bemerkenswert schnell. Die Kamera scheint beinahe sofort einsatzbereit zu sein, sobald man fotografieren möchte. Gerade bei einem Modell, dessen Aufgabe darin besteht, den Alltag festzuhalten, ohne jede Aufnahme in einen technischen Vorgang zu verwandeln, ist dieses Detail von großer Bedeutung.

Eine Akkulaufzeit, die nach einem Zweitakku verlangt

Der Akku gehört dennoch zu den Schwächen des Produkts.

Sigma gibt eine Laufzeit von ungefähr 260 Aufnahmen pro Ladung oder rund 60 Minuten kontinuierlicher Videoaufzeichnung an. Solche Werte erzählen nie die ganze Geschichte des praktischen Einsatzes, bestätigen aber einen Eindruck, der sich recht schnell einstellt: Die BF ist relativ energiehungrig.

Mit einem zweiten Akku in der Tasche relativiert sich dieses Problem jedoch weitgehend. Ich habe die begrenzte Laufzeit nie als ernsthaftes Hindernis empfunden, sondern schlicht als einen Faktor, den man einplanen muss. Vor dem Aufbruch sollte man den Ladestand kontrollieren und einen Ersatzakku griffbereit halten.

Ich muss allerdings zugeben, dass ich ohnehin fast immer mehrere Akkus mitnehme – auch bei meinen anderen Kameras. Die BF zwingt einen also lediglich etwas konsequenter zu einer Gewohnheit, die jeder reisende Fotograf bereits verinnerlicht haben sollte.

Der Akku kann direkt in der Kamera über USB-C geladen werden. Ein externes Ladegerät ist optional erhältlich und wird schnell sinnvoll, sobald man mehrere Akkus verwendet.

Das Display: die eigentliche Schwäche

Der größte Schwachpunkt der Sigma BF ist für mich ihr Display.

Die Auflösung ist ausgezeichnet. Es handelt sich um einen 3,15 Zoll großen Touchscreen mit etwa 2,1 Millionen Bildpunkten und einer Bildfeldabdeckung von nahezu 100 Prozent. Unter guten Bedingungen ist die Darstellung fein, detailreich und ausgesprochen angenehm.

Das Problem liegt also nicht in der Auflösung, sondern in der Helligkeit.

In einer sehr sonnigen Umgebung lässt sich mit dem Display nicht immer so komfortabel arbeiten, wie man es sich wünschen würde. Und in den vergangenen Wochen war die Sonne mehr als präsent. Sowohl in Paris als auch an der Atlantikküste musste ich regelmäßig einen günstigeren Blickwinkel suchen, mit meinem Körper Schatten erzeugen oder die Kamera näher an mich heranführen, um die Szene ausreichend erkennen zu können.

Ich habe stets einen Weg gefunden, um zu sehen, was ich fotografierte. Ich kann daher nicht behaupten, dass mich das Display an einer Aufnahme gehindert hätte. Doch selbst bei maximal eingestellter Helligkeit reicht seine Leuchtkraft nicht aus, um das Fotografieren in direktem Sonnenlicht wirklich komfortabel zu machen.

Dass sich das Display nicht bewegen lässt, wäre leichter zu akzeptieren, wenn es aus unterschiedlichen Winkeln und unter sämtlichen Lichtbedingungen perfekt ablesbar bliebe. An diesem Punkt zeigt die BF ihre Grenzen.

Für eine mögliche zweite Generation könnte man sich ein Display vorstellen, das vollständig in das Gehäusedesign integriert bleibt, sich aber durch Druck auf seine Oberfläche leicht vom Kamerakörper löst – ähnlich dem Klick eines Trackpads. So könnte es beweglich werden, ohne dass eine permanent sichtbare Scharnierkonstruktion die Reinheit der Linien unterbricht.

Vielleicht eine Idee für eine zweite Generation der Sigma BF?

Ein schneller und vertrauenerweckender Autofokus

Bei allen anderen Punkten fallen meine Kritikpunkte deutlich geringer aus.

Die BF verwendet einen Hybridautofokus, der Phasen- und Kontrasterkennung kombiniert. Hinzu kommen Motivverfolgung sowie die Erkennung von Menschen und Tieren. Im praktischen Einsatz erwies sich das System zugleich als schnell und präzise.

Probleme mit der Schärfeeinstellung traten bei mir nur selten auf. Die Kamera erfasste ihre Motive zügig, auch bei Straßenszenen, in denen ich ohne Vorbereitung komponieren und auslösen musste. Selbst bei schwächerem Licht und während meiner nächtlichen Aufnahmen arbeitete sie ausreichend zuverlässig.

Diese Effizienz ist von entscheidender Bedeutung. Eine derart minimalistische Kamera würde sofort an Reiz verlieren, wenn sie ihren Benutzer dazu zwänge, die Schärfe ständig zu kontrollieren oder sich durch komplexe Autofokusoptionen zu bewegen. Bei der BF fügt sich der Autofokus nahtlos in die allgemeine Philosophie ein: Er erledigt seine Arbeit und tritt anschließend in den Hintergrund.

Eine Bildqualität, die dem Objekt gerecht wird

Der Vollformatsensor mit 24,6 Megapixeln bietet ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Auflösung, Dateigröße und Leistung bei wenig Licht. RAW-Dateien werden als verlustfrei komprimierte 14-Bit-DNGs gespeichert, was ihre Integration in die meisten bestehenden Arbeitsabläufe vereinfacht.

Auch das Bildrauschen bleibt in dunkleren Umgebungen und bei Nachtaufnahmen gut kontrolliert. Bis ungefähr ISO 5.000 hatte ich im Rahmen meiner Nutzung keinerlei nennenswerte Probleme. Bei höheren Empfindlichkeiten lässt sich eine Datei bei Bedarf in einer Software wie DxO PhotoLab in der Regel sehr wirksam entrauschen.

Ich möchte damit keine absolute ISO-Grenze festlegen. Die Wahrnehmung von Bildrauschen hängt immer von der jeweiligen Szene, der Belichtung, der Bearbeitung und dem späteren Verwendungszweck der Aufnahme ab. Die BF ist jedoch keineswegs eine Kamera, die man ausschließlich an sonnigen Tagen einsetzen sollte. Auch bei nachlassendem Licht bewahrt ihr Sensor eine erfreuliche Flexibilität.

Natürlich trägt die Qualität der verwendeten Objektive wesentlich zum Gesamtergebnis bei. In einer ausgewogenen Kombination bieten die Bilder jene Detailzeichnung, Tiefe und Präzision, die man von einem modernen Vollformatsensor erwartet.

JPEGs für HDR-Displays

Ein weiterer Aspekt der BF verdient besondere Aufmerksamkeit: Ihre JPEG-Dateien unterstützen eine HDR-Darstellung mithilfe einer HDR Gain Map. Dabei wird dem Bild eine zusätzliche Helligkeitskarte hinzugefügt, die kompatiblen Geräten mitteilt, wie Helligkeit und Dynamikumfang erweitert dargestellt werden können. Sigma bestätigt offiziell, dass die von der BF erzeugten JPEG-Dateien HDR Gain Maps unterstützen.

Auf einem kompatiblen Bildschirm beziehungsweise in einer geeigneten Anwendung können helle Bildbereiche dadurch mit einer höheren Intensität dargestellt werden als auf einem herkömmlichen SDR-Display. Es geht nicht darum, den Kontrast des gesamten Bildes künstlich zu erhöhen. Stattdessen erhalten besonders helle Bereiche tatsächlich mehr Spielraum bei der Darstellung. Reflexionen, Lichtquellen, Himmel oder nächtliche Szenen wirken dadurch brillanter.

Besonders deutlich zeigt sich der Effekt, wenn die Aufnahmen auf einem aktuellen Gerät mit HDR-Display betrachtet werden – beispielsweise auf einem kompatiblen iPhone. Die Fotografien erscheinen dort heller und lebendiger und vermitteln einen visuellen Dynamikumfang, den ein SDR-Monitor nicht vollständig wiedergeben kann. Apple unterstützt HDR-Bilder auf Basis einer Gain Map innerhalb seiner Displaytechnologien, sofern das verwendete Gerät und die jeweilige Anwendung die entsprechenden Daten interpretieren können.

Die traditionelle Darstellung der Datei wird dadurch nicht beeinträchtigt. Auf einem Bildschirm oder in einer Software ohne HDR-Unterstützung wird das JPEG weiterhin ganz normal angezeigt. Die Gain Map funktioniert somit wie eine zusätzliche Ebene: Sie erweitert das Erlebnis auf kompatiblen Geräten, ohne die Datei auf anderen Systemen unbrauchbar zu machen.

Auch diese Entscheidung passt hervorragend zur Philosophie der BF. Die Kamera vereinfacht den Aufnahmeprozess, verzichtet dabei aber keineswegs auf moderne Technologien, die das visuelle Erlebnis unmittelbar verbessern können. Die kameraintern erzeugten JPEG-Dateien dienen daher nicht nur als schnelle Vorschauen oder als Material für soziale Netzwerke. Auf dem richtigen Display offenbaren sie eine zusätzliche Dimension des Bildes.

Farbmodi als Erweiterung des Aufnahmeerlebnisses

Die BF bietet dreizehn Farbmodi, die von relativ neutralen Darstellungen bis hin zu deutlich ausgeprägteren Interpretationen reichen: Standard, Rich, Calm, Powder Blue, Warm Gold, Teal and Orange, FOV Classic Blue, FOV Classic Yellow, Forest Green, Sunset Red, Cinema, 709 Look und Monochrome.

Diese Modi sind nicht tief in einem Untermenü verborgen. Sigma stellt sie auf dieselbe Ebene wie Verschlusszeit, Blende, ISO und Belichtungskorrektur. Diese Gewichtung verrät viel über das Konzept der BF: Die endgültige Bildwirkung ist Teil der Aufnahme und nicht zwangsläufig ein Arbeitsschritt, der vollständig in die Nachbearbeitung verschoben werden muss.

Selbstverständlich kann man im RAW-Format fotografieren und die gesamte Flexibilität für die spätere Bearbeitung bewahren. Gleichzeitig lädt die Kamera dazu ein, sich bereits bei der Aufnahme für eine bestimmte farbliche Absicht zu entscheiden und diese Entscheidung anschließend anzunehmen. Auch hier geht es ihr weniger darum, immer mehr Möglichkeiten anzubieten, als vielmehr um eine unmittelbare Beziehung zum entstehenden Bild.

Keine Hauptkamera, aber eine echte Fotografenkamera

Die Sigma BF ist ganz klar nicht dazu bestimmt, meine Hauptkamera zu werden.

Das Fehlen eines Suchers, das bei direkter Sonne schwer ablesbare Display, die begrenzte Akkulaufzeit und einige radikale Designentscheidungen schränken ihre Vielseitigkeit ein. Für eine längere professionelle Reportage, eine Produktion mit notwendiger sofortiger Dateiredundanz oder eine technisch besonders anspruchsvolle Aufgabe würde ich weiterhin ein konventionelleres System bevorzugen.

Es wäre jedoch unfair, die BF ausschließlich anhand dessen zu beurteilen, was sie nicht bietet.

Dieses kleine Schmuckstück löst sein Versprechen ein: Es macht die Fotografie zu einem visuellen wie haptischen Vergnügen. Die Kamera weckt die Lust, hinauszugehen, die Umgebung zu beobachten und auszulösen. Sie verwandelt nicht jede Aufnahme in eine technologische Demonstration und verlangt von ihrem Benutzer nicht, einen ganzen Abend mit der Konfiguration Dutzender Funktionen zu verbringen.

Es genügt, die gewünschten Parameter auszuwählen, der Kamera den Rest zu überlassen und die Welt zu betrachten.

Die Sigma BF versucht nicht, für jeden Menschen die beste Kamera zu sein. Stattdessen möchte sie für bestimmte Fotografen eine besonders begehrenswerte Kamera sein. Wer eine universelle Maschine sucht, wird ihre fehlenden Funktionen zu Recht kritisieren. Wer dagegen eigenständige Objekte, bewusst gewählte Einfachheit und das körperliche Vergnügen am Fotografieren schätzt, dürfte ihr vieles verzeihen.

Zusammen mit den drei I-Series-Objektiven mit 24, 35 und 45 Millimetern bildet die BF ein System von seltener Geschlossenheit. Vom Blendenring bis zum magnetischen Metalldeckel erinnert jedes Detail daran, dass Sigma nicht nur eine leistungsfähige Kamera und leistungsfähige Objektive entwickeln wollte. Es ging ebenso um Objekte, die man gerne betrachtet, berührt und vor allem benutzt.

Nach einem Monat mit der BF – von Paris nach Wien, von München bis an die französische Atlantikküste – bleibt für mich vor allem eine Erkenntnis: Nur wenige Kameras wecken einen so starken Wunsch, sie in die Hand zu nehmen.

Und noch seltener sind jene, die bereits Lust aufs Fotografieren machen, bevor man sie überhaupt eingeschaltet hat.